LIFE 2 - Neue Anwendungsfelder für mobile Lösungen

Internet der Dinge

Im Zusammenhang mit dem steten Fortschritt in Mikroelektronik, Kommunikationstechnik und Informationstechnologie fallen häufig die Schlagworte „Ubiquitous Computing“, „Ambient Intelligence“ oder auch „Internet der Dinge“. Die genaue Unterscheidung zwischen diesen Konzepten ist in vielerlei Hinsicht eher akademischer Natur, so Professor Friedemann Mattern vom Institut für Pervasive Computing an der ETH Zürich. Gemeinsam ist ihnen Mattern zufolge freilich das Ziel einer „unaufdringlichen, aber nachhaltigen Unterstützung des Menschen im Alltag sowie einer durchgängigen Automatisierung und Optimierung wirtschaftlicher Prozesse.“20 Erreicht werden soll dies durch die Integration einer Vielzahl von miniaturisierten Prozessoren, Sensoren und Funkmodulen in Räumen, Umgebungen und Alltagsdingen, ergänzt durch unterstützende Infrastruktursysteme.

Im Grunde genommen geht es um eine elektronische Vernetzung von Alltagsgegenständen. „Smarte Dinge“, so die Idee, werden (z.B. durch RFID-Tags) eindeutig identifiziert und kommunizieren miteinander bzw. mit den Nutzern. Diese eindeutige Identifizierung von Objekten in Verbindung mit der Möglichkeit, zusätzliche mit dem Objekt verknüpfte Informationen an jedem Ort und zu jeder Zeit verfügbar zu machen, hat bereits heute zu effizienten Prozessen, neuen Produkten und innovativen Dienstleistungen geführt. Werden die Objekte zusätzlich mit sensorischen Fähigkeiten und Lokalisierungsoptionen – beispielsweise durch GPS – ausgestattet, sind auch autonome, quasi-intelligente Anwendungen möglich, die auch eine vernetzte Objekt-zu-Objekt-Kommunikation einschließen können und dann weit über die naheliegenden und häufig zitierten Beispiele automatisierter Lagerhaltung, sich selbst füllender Kühlschränke oder kassenloser Supermärkte hinausgehen.21

Gegenwärtig steht das Internet der Dinge an der Schwelle vom Reißbrett zur Realität. Der Erfolg des „Internet of Things“, also der Verschmelzung der digitalen Welt mit physischen Objekten, wird dabei auch ganz wesentlich von der Akzeptanz der neuen Technologien in Wirtschaft und Gesellschaft abhängen.

Internet der Dinge – in Zukunft

Abbildung 6-5: Internet der Dinge – in Zukunft

Heutiger und künftiger Stellenwert

Die Studie LIFE 2 zeigt, dass das Internet der Dinge für die Unternehmenspraxis bereits weit mehr ist als nur ein weiteres Branchen-Buzzword. In Deutschland sind heute 59 Prozent der befragten ICT-Entscheider der Ansicht, dass das Internet der Dinge künftig – damit ist ein Zeitraum von etwa fünf Jahren angesprochen – einen sehr hohen oder hohen generellen Stellenwert haben wird. In Großbritannien sind sogar fast drei Viertel der ICT-Entscheider (73%) dieser Meinung. Insgesamt messen gut zwei Drittel (67%) der befragten ICT-Verantwortlichen dem Internet der Dinge eine allgemein (sehr) hohe Bedeutung für die Zukunft bei. Von der Möglichkeit, dass das Internet der Dinge künftig nur einen geringen Stellenwert haben könnte (Bottom Box), gehen gerade einmal drei Prozent der Befragten aus (siehe Abbildung 6-5).

Abgefragt wurde aber nicht nur die Einschätzung der allgemeinen Bedeutung, sondern auch die Einschätzung der Bedeutung, die das Internet der Dinge in Zukunft ganz konkret für das eigene Unternehmen haben wird. Und auch hier zeigt sich: Mehr als die Hälfte der ICT-Entscheider (56%) geht davon aus, dass das Internet der Dinge in fünf Jahren auch in ihrem eigenen Unternehmen von sehr hoher oder hoher Bedeutung sein wird. Die größte Bedeutung vermuten dabei die US-amerikanischen (62%) und die spanischen Entscheider (61%). Aber auch in Deutschland geht jeder zweite ICT-Entscheider von einem sehr hohen oder hohen Stellenwert im eigenen Unternehmen aus.

Erwartungen an das Internet der Dinge

In der Theorie ist das Internet der Dinge vor allem mit der Erwartung an eine Effizienzsteigerung von Unternehmensprozessen und eine Kostenreduktion in der Warenlogistik sowie im Servicebereich (durch Automatisierung und Verlagerung zum Kunden) verknüpft. Ferner sind auch eine verbesserte Kundenbindung und -ansprache sowie neue Geschäftsmodelle mit smarten Dingen und den mit ihnen verbundenen Dienstleistungen zu erwarten.22

Internet der Dinge – Vorteile

Abbildung 6-6: Internet der Dinge – Vorteile

Und auch die befragten ICT-Entscheider sehen den bei Weitem größten Vorteil eines Internets der Dinge im Bereich der Kostenreduktion (44%). Für 21 Prozent liegt der größte Vorteil in einer höheren Transparenz, jeder fünfte Befragte (20%) nennt als größten Vorteil des Internets der Dinge die neuen Geschäftsmodelle, die sich aus seiner Durchsetzung ergeben werden. 16 Prozent sehen die Erhöhung des Verbraucherschutzes als wichtigsten Vorteil (siehe Abbildung 6-6).

Neue Technologien bergen in der Regel nicht nur Vorteile, sie bringen auch Herausforderungen mit sich, die zu meistern sind. Als größte Herausforderung im Zusammenhang mit dem Internet der Dinge nennen sechs von zehn Befragten (61%) den Datenschutz. Schließlich müssen die auf der Luftschnittstelle kabellos ausgetauschten Nachrichten vor unbefugtem Abhören, vor Manipulation und Fälschung geschützt werden. 26 Prozent der ICT-Entscheider vermuten, dass die größte Herausforderung vor allem darin bestehen wird, sich auf gemeinsame Standards zu einigen. Weitere 14 Prozent sehen die größte Herausforderung des Internets der Dinge in einem eher ökologischen Aspekt, nämlich in der Frage, wie mit dem zusätzlichen E-Waste umgegangen werden soll, der entsteht, wenn eine Vielzahl der Alltagsgegenstände mit Mikrochips und RFID-Tags ausgerüstet wird.

20 Mattern, Friedemann (2005)

21 Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (2009)

22 Mattern, Friedemann / Floerkemeier, Christian (2010)