Green IT ermöglicht es, schonend mit Ressourcen umzugehen – und zwar sowohl innerhalb der Branche selbst, als auch in anderen Wirtschaftsbereichen. ICT-Lösungen bieten damit wichtige Chancen und Potenziale im Bereich Klimaschutz und Ressourceneffizienz. Green IT ist als Schlagwort bereits seit einigen Jahren im Gespräch. Die aktuelle Studie SMART 2020 (Addendum Deutschland) hat nun detailliert aufgezeigt, wie hoch die Bedeutung der ICT für Klimaschutz und Ressourceneffizienz wirklich ist: Der Studie zufolge könnten bis zum Jahr 2020 durch ICT-Lösungen allein in Deutschland rund 207 Megatonnen CO2-Äquivalente eingespart werden. Dies einerseits direkt, zum Beispiel durch energieeffizientere Hardware und Rechenzentren, als auch indirekt durch den Einfluss in anderen Wirtschaftsbereichen, zum Beispiel durch intelligente Stromnetze in der Energiewirtschaft, optimierte Verkehrs- und Logistikprozesse oder „Smart Buildings“ mit ICT-gesteuerten Klimamanagementsystemen.27
„ITK-Systeme entwickeln eine enorme Hebelwirkung auf die Energieeffizienz der gesamten Volkswirtschaft.“
BITKOM-Präsident August-Wilhelm Scheer
Die hohe Bedeutung der ICT für den Klimaschutz ist auch in den Unternehmen erkannt. Die Studie LIFE 2 zeigt, dass sechs von zehn ICT-Entscheider (62%) davon überzeugt sind, dass ICT einen hohen oder sehr hohen Beitrag zu Ressourceneffizienz und Klimaschutz leisten kann. In den USA sind sogar 70 Prozent der Entscheider dieser Ansicht, in Spanien und Großbritannien jeweils 69 Prozent (siehe Abbildung 7-12). Eine besonders gewichtige Rolle spielt dabei aus Sicht der Entscheider vor allem die Virtualisierung durch ICT (66% Nennungen in den Top 2 Boxes).
International gibt mehr als jeder zweite ICT-Entscheider (54%) an, dass Green IT in seinem Unternehmen heute hohen oder sehr hohen Stellenwert hat. Die „grünsten“ Entscheider kommen dabei aus Großbritannien und den USA (jeweils 71%), die geringste Bedeutung hat das Thema in Frankreich, wo nur knapp jeder dritte ICT-Entscheider (30%) der Green IT hohen Stellenwert einräumt. Für die Zukunft hingegen erwarten insgesamt rund 70 Prozent der ICT-Entscheider hohen oder sehr hohen Stellwert der Green IT in ihrem Unternehmen. Die größte Bedeutungszunahme der Green IT ist in Deutschland zu erwarten: Hier hat die Green IT heute zwar nur für 47 Prozent der Entscheider (sehr) hohe Bedeutung, für die Zukunft rechnen jedoch 70 Prozent der Befragten mit einer (sehr) hohen Bedeutung (siehe Abbildung 7-13).
Fragt man nach den Gründen, aus welchen Green IT für die Unternehmen interessant ist (oder künftig interessant sein könnte), zeigt sich insgesamt folgendes Bild: Mit 57 Prozent Nennungen bei Weitem am häufigsten genannt werden die Kosteneinsparungen, die sich durch Green IT erzielen lassen. 43 Prozent der ICT-Entscheider nennen den positiven Einfluss von Green IT auf das Unternehmensimage als wichtigen Grund. Weitere 42 Prozent geben an, dass ihr Unternehmen sich aus Gründen der allgemeinen gesellschaftlichen Verantwortung für Green IT interessiert. 24 Prozent der ICT-Entscheider geben an, dass Green IT für ihr Unternehmen deshalb von Interesse ist, weil auf diese Weise einem Kundenbedürfnis entsprochen werden kann. Mit 17 Prozent Nennungen vergleichsweise geringe Bedeutung hat der Aspekt der Sicherung von Wettbewerbsvorteilen durch Green IT.
Es liegt der Schluss nahe, dass im Mittelpunkt der Überlegungen zum Thema „Green IT“ für die meisten Unternehmen in der Regel doch der Kostenaspekt steht. Dieser Ansicht sind auch die Experten des Think Tanks, die in ihrer Diskussion zu dem Schluss kommen, dass Green IT vor allem darum ein wichtiges Zukunftsthema ist, weil es eben nicht nur Umweltschutz ermöglicht, sondern gleichzeitig auch Kostenreduzierungen und Performancesteigerungen erlaubt. Es ist, so die Experten, vor allem dieser Doppelnutzen, der Green IT für die Unternehmen so attraktiv macht.
Das konkrete Wissen um die Einsparmöglichkeiten, die sich durch Green IT realisieren lassen könnten, ist allerdings noch lückenhaft, auch das macht die Studie LIFE 2 deutlich: Nur jeder fünfte ICT-Entscheider (22%) weiß heute, wie hoch die Stromkosten für IT in seinem Unternehmen ungefähr sind. In Deutschland kennen zwar immerhin 25 Prozent der ICT-Entscheider den Stromverbrauch der IT in ihrem Unternehmen, in den USA sind es sogar 28 Prozent – in Frankreich allerdings wissen nur 11 Prozent der Entscheider über den Stromverbrauch ihrer IT Bescheid. Auch dass nur jedes vierte Unternehmen über 1.000 Mitarbeiter (24%) schon einmal einen Business Case zu den Einsparmöglichkeiten durch Green IT erstellt hat, weist auf ein gewisses Informationsdefizit hin, was das Thema Green IT angeht (siehe Abbildung 7-14).
Das größte Energie-Einsparpotenzial sehen die befragten ICT-Entscheider bei den Arbeitsplatzsystemen, also z.B. bei Desktops und Laptops. 58 Prozent der ICT-Entscheider vermuten hier hohes oder sehr hohes Einsparpotenzial. Ebenfalls hohe Potenziale werden bei IT-Netzen (56%) und Rechenzentren gesehen (54%). Das Energie-Einsparpotenzial der ICT über Prozesse (also z.B. Lieferketten, Produktionssteuerung etc.) steht im Vergleich etwas weniger im Fokus der ICT-Entscheider (53% Nennungen in den Top 2 Boxes).
Tatsächlich steckt aber genau hier, im Einsatz von ICT-Lösungen zur indirekten Vermeidung bzw. zur Verringerung von Emissionen in anderen Branchen und Industrien, das größte Reduktionspotenzial. Die aktuelle Smart Studie 2020 beispielsweise identifiziert für die ICT-Branche in Deutschland ein direktes Einsparpotenzial von ca. 13 Megatonnen CO2, im Bereich der indirekten Einsparungen hingegen ein Potenzial von rund 194 Megatonnen CO2. Die indirekten Einsparungen liegen also nicht nur um ein Wesentliches höher als die direkten Einsparungen, sie entsprechen auch mehr als der achtfachen Menge dessen, was die komplette ICT-Branche im Referenzjahr 2007 selbst emittiert hat.28 Insgesamt errechnet die Studie SMART 2020 ein Reduktionspotenzial durch ICT-Lösungen (direkte und indirekte) von bis zu ca. 207 Megatonnen CO2 in 2020.
Die Einführung umfassender Messungen ist also elementar notwendig, insbesondere, wenn die Unternehmen die von ihnen angestrebten Kostenreduktionspotenziale der Green IT nutzen wollen. Denn um den Erfolg einer Green-ICT-Strategie sichtbar zu machen, müssen die relevanten Kennzahlen (z. B. der Energieverbrauch einzelner Abteilungen oder der Energieverbrauch eines Rechenzentrums) jederzeit detailliert darstellbar sein.
27 Smart Studie 2020 (2009)
28 Die Emissionen der ICT-Branche selbst resultieren ausschließlich aus dem Stromverbrauch der ICT-Hardware und der dafür benötigten Infrastruktur. Emissionen aus Rechenzentren fallen durch den Betrieb von Servern und für die entsprechende Infrastruktur (Kühlung, Speicher und Netzwerk) an. Sie haben einen durchschnittlichen Anteil von 23% an der gesamten CO2-Emission von ca. 23 Mt im Bereich der ICT. Emissionen am Arbeitsplatz entstehen durch den Betrieb von Desktops, Laptops, Monitoren und sonstigen Hardwaregeräten. Insgesamt sind diese Emissionen für durchschnittlich 49% der CO2-Emissionen durch ICT verantwortlich. Telekommunikationsendgeräte wie Mobiltelefone, Festnetztelefone und Router verursachen Emissionen durch den Stromverbrauch bei aktuellem Betrieb wie auch im Standby-Modus. Die dadurch verursachten CO2-Emissionen belaufen sich auf durchschnittlich 10%. Emissionen der Telekommunikationsnetzwerke entstehen durch den Betrieb von Festnetz- und Mobilfunkanlagen, die zusammen etwa 19% der durchschnittlichen ICT-CO2- Emissionen verursachen. Quelle: Smart Studie 2020, Addendum Deutschland.



