LIFE 2 - Gesundheit

Gesundheit – grösste Herausforderungen

Abbildung 7-5: Gesundheit – grösste Herausforderungen

Der Gesundheitsbereich ist mit 4,4 Millionen Beschäftigten und rund 254 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr heute die größte Wirtschaftsbranche in Deutschland.25 Dabei steht das gesamte Gesundheitswesen unter dem Druck, seine Effizienz künftig bedeutend steigern zu müssen: Drei von zehn ICT-Entscheider aus dem Bereich Gesundheit sehen in der Finanzierung des Gesundheitssystems die wichtigste Herausforderung der nächsten Jahre (29% Nennungen auf Rang 1), gefolgt vom großen Themenbereich der Prävention (19%) und der Aufgabe, bei gleichbleibender Behandlungsqualität Kosteneinsparungen zu realisieren (18%). Etwa jeder zehnte Befragte (11%) aus dem Gesundheitswesen sieht die wichtigste Herausforderung in der Entwicklung des Bereiches E-Medicine, also den Themen rund um Remote Consultations und Remote Diagnostics (siehe Abbildung 7-5). Dieser Bereich der ICT-gestützten „Telemedizin“ wird auch von den Teilnehmern des Think Tanks als ein wesentliches Zukunftsfeld identifiziert. Jonas Schreyögg, Professor für Health Services Management an der Universität München, sieht hier einen großen Wachstumsbereich: „Entwicklungen wie Telemedizin oder die ICT-gestützte Patientenakte werden das Gesundheitssystem fundamental verändern.“ Und auch Christophe Châlons, Chief Analyst der PAC Group, ist sich sicher, dass ICT erheblich zur Prozessoptimierung und Kostensenkung im Gesundheitssystem beitragen kann.

„ICT kann erheblich zur Prozessoptimierung und Kostensenkung im Gesundheitssystem beitragen.“
Christophe Châlons, Chief Analyst, PAC Group

Alleine durch die Einführung einer elektronischen Gesundheitskarte könnten in Deutschland wohl Einsparungen in Milliardenhöhe realisiert werden, selbst konservativen Schätzungen zufolge. Die neue Chipkarte soll Ärzte, Apotheker, Krankenhäuser und -kassen miteinander vernetzen und so Bürokratie abbauen – zum Wohle des gesamten Gesundheitssystems.

Dass neben dem Gesundheitssystem auch die Patienten von einer elektronischen Gesundheitskarte profitieren würden, daran bestehen weder bei ICT-Entscheidern noch bei den Konsumenten Zweifel. Jeweils 77 Prozent der Befragten aus beiden Gruppen sind davon überzeugt, dass eine elektronische Gesundheitskarte den Patienten wichtige Vorteile bringt. In Spanien sind es sogar 91 Prozent der Konsumenten, die von den Vorteilen einer elektronischen Gesundheitskarte überzeugt sind, in Frankreich und den USA jeweils 79 Prozent und in Großbritannien 75 Prozent. Deutsche Befragte sind mit 61 Prozent Zustimmung in den Top 2 Boxes etwas zurückhaltender.

77% der Konsumenten sind sich sicher, dass eine elektronische Gesundheitskarte den Patienten wichtige Vorteile bringt.

Als besonders interessant an einer elektronischen Gesundheitskarte beurteilen Konsumenten die schnelle Zugriffsmöglichkeit auf medizinisch relevante Informationen (z.B. Vorerkrankungen) durch Rettungskräfte im Notfall und die Vermeidung von Fehlmedikationen, da z.B. Informationen über Allergien oder Medikamentenunverträglichkeiten auf der Karte gespeichert werden können (85% bzw. 83% Nennungen in den Top 2 Boxes). Für 80 Prozent der Konsumenten ist auch die Vermeidung von Doppeluntersuchungen ein besonders interessanter Aspekt der elektronischen Gesundheitskarte. Eher skeptisch sind die Konsumenten jedoch, was die Sicherheit angeht: Nur 46 Prozent der Konsumenten sind davon überzeugt, dass eine elektronische Gesundheitskarte auch sicher ist.

Gesundheit – Vorteile eines vermehrten Einsatzes von ICT

Abbildung 7-6: Gesundheit – Vorteile eines vermehrten Einsatzes von ICT

Vorteile eines zunehmenden ICT-Einsatzes im Gesundheitswesen liegen nach Ansicht der ICT-Entscheider der Branche in einer verbesserten Qualität der Behandlung (31% Nennungen), der Entlastung von Mitarbeitern des Gesundheitswesens (18%) sowie allgemeinen Kosteneinsparungen bei Ärzten und Patienten (16%) (siehe Abbildung 7-6).

25 Daten des Bundesgesundheitsministeriums Deutschland