LIFE 2 - Bildung

Jeder zweite ICT-Entscheider (54%) ist der Ansicht, dass der Bildungssektor durch den Einsatz neuer Informations- und Kommunikationstechnologien in den kommenden Jahren sehr große oder große Veränderungen erfahren wird.

„Schon aus Kostengründen werden sich die Prozesse und Angebote im Bildungsbereich durch ICT stark verändern, vom Kindergarten über die Schule und die Universität bis zum Life Long Learning im Beruf.“
Professor Claudia Loebbecke, Universität zu Köln

Aus Sicht der in der Branche Beschäftigten liegt die größte Herausforderung dabei vor allem in der Sicherstellung der Qualität der Lehre in Schule und Studium, davon sind Nutzer (30% Nennungen als wichtigste Herausforderung) und Entscheider (28%) gleichermaßen überzeugt. Die Frage der Finanzierung des Bildungssystems sehen 26 Prozent der Nutzer und 17 Prozent der Entscheider als wichtiges Thema. Ebenfalls wichtige Aufgaben, die in Zukunft anzugehen sind, werden in den Bereichen Weiterbildung / lebenslanges Lernen (14% Nennungen bei den Nutzern, 19% Nennungen bei den Entscheidern) und dem Thema „Sicherheit an Schulen“ (9% bzw. 13% Nennungen) gesehen.

Bildung – Bedeutung ICT im Bildungsbereich

Abbildung 7-7: Bildung – Bedeutung ICT im Bildungsbereich

Die größten Möglichkeiten und Vorteile durch den Einsatz neuer Informations- und Kommunikationstechnologien werden sich nach Ansicht der Befragten im Bereich Studium/Universität ergeben. Hier vermuten 84 Prozent der Entscheider und 85 Prozent der in diesem Sektor Beschäftigen ICT-Nutzer sehr große oder große Einflussmöglichkeiten. Aber auch in den übrigen Bereichen des Bildungssystems, also von der Schule bis hin zu den unternehmensinternen Weiterbildungen sehen mehr als zwei Drittel aller Befragten eine große Bedeutung der ICT (siehe Abbildung 7-7).

Bildung – Weitere Entwicklungen

Abbildung 7-8: Bildung – Weitere Entwicklungen

Die im Rahmen der Studie telefonisch geführten zusätzlichen Interviews mit ICT-Entscheidern aus Bildungseinrichtungen machen deutlich, dass ein wesentlicher Beitrag der ICT im Bildungssektor auch darin gesehen wird, den Zugang zu Bildung für alle Bevölkerungsschichten zu öffnen sowie die Chancengleichheit und Transparenz im Bildungssystem zu erhöhen (siehe Abbildung 7-8).

Professor Andreas Breiter,26 Professor für Informations- und Wissensmanagement in der Bildung an der Universität Bremen, weist in diesem Zusammenhang auch auf den Trend zur Durchmischung von Bildungsformen hin (duale Studiengänge, duale Universität, Berufsakademie etc.), der zum vermehrten Lernen an verschiedenen Lernorten führt – also zum Beispiel zu Hause, im Betrieb und in der Schule. Hier kann ICT seiner Ansicht nach einen enormen Beitrag leisten. E-Learning, Distance Learning und Blended Learning werden Breiter zufolge künftig verstärkt zum Einsatz kommen, um praxisnähere Master- oder PhD-Studiengänge für das gehobene Management anbieten zu können.

Bildung – Künftige Bedeutung ICT-gestützten Lernens

Abbildung 7-9: Bildung – Künftige Bedeutung ICT-gestützten Lernens

Alle diese Entwicklungen befinden sich aber zweifellos erst am Anfang – denn aktuell gibt beispielsweise noch die Mehrheit der im Rahmen der Studie LIFE 2 befragten Konsumenten an, bislang keinerlei Erfahrungen mit E-Learning gemacht zu haben (insgesamt 61%). Trotzdem stehen die Chancen gut, dass traditionelles Lernen und ICT-gestütztes Lernen künftig gleichberechtigt nebeneinander stehen werden – zumindest ist fast jeder zweite Beschäftigte im Bildungsbereich (49% Entscheider und 53% der Nutzer) davon fest überzeugt. Etwa ein Viertel der ICT-Entscheider und ein Fünftel der IT-Nutzer vertreten sogar die Meinung, dass das ICT-gestützte Lernen das traditionelle Lernen in vielen Bereichen ablösen wird (siehe Abbildung 7-9)

Einen wichtigen Beitrag kann ICT aber nicht nur bei den pädagogischen, sondern auch bei den organisatorischen Aufgaben des Bildungssektors leisten. Die Schulverwaltung in Deutschland beispielsweise ist nach wie vor papierbasiert. Für Anwendungen wie Stundenplansoftware, Schüler- und Lehrerverwaltung, Budget- und Ressourcenplanung etc. sieht Professor Andreas Breiter daher in den nächsten fünf bis zehn Jahren einen hochattraktiven Markt, der in anderen Ländern bereits floriert. Auch das Cloud Computing hat an den Schulen riesiges Potenzial: „Die Schulträger könnten ihren Wartungsaufwand enorm reduzieren“, so Breiter.

26 Ergänzend zum Think Tank wurden mit ausgewählten Experten noch vertiefende Interviews geführt.