LIFE 2 - Automobil und Verkehr

Traditionell ist der Bereich Automobil und Verkehr eine der Branchen mit besonders hohem ICT-Einsatz. Elektronische Bremsassistenten, Stabilitätsprogramme und Tempomaten sind Standard in neueren Fahrzeugen. Hinzu kommen Navigationssysteme und vermehrt auch Multimedia-Anwendungen. ICT-Technologien kommen aber auch in der Produktentwicklung, bei der Steuerung der Produktion und im Service zum Einsatz. Und natürlich hat die ICT auch in der Verkehrsplanung eine zunehmend hohe Bedeutung. Die Experten des Think Tanks sind daher der Ansicht, dass insbesondere der Sektor Automobil und Verkehr künftig stark vom Einsatz neuer ICT-Lösungen profitieren wird.

„Unsere Untersuchungen zeigen, dass sich in Branchen wie Automotive, Hightech und Retail die größten Wertverschiebungen durch große Technologietrends ergeben werden.“
Matthias Roggendorf, Associate Partner, McKinsey

Gerade in Deutschland hat der Sektor Automobil und Verkehr eine besondere Stellung: Nach den USA ist Deutschland das Land mit der zweithöchsten Pkw-Dichte. Am 1. Januar 2010 waren in Deutschland 50,2 Millionen Kraftfahrzeuge (Kfz) zugelassen,23 jedes von ihnen legt im Durchschnitt 14.000 Kilometer im Jahr zurück. Das macht alleine in Deutschland etwa 700 Milliarden Kilometer pro Jahr. Neben den privaten Fahrzeugen wird die Verkehrsinfrastruktur aber auch durch die Nutzfahrzeuge und den europäischen Transitverkehr stark belastet. Die durch die hohe Verkehrsdichte verursachten Behinderungen und Staus führten allein im Jahr 2001 nach Berechnung eines Forscherteams der Universität Stuttgart zu einem unnötigen Benzinverbrauch von 14 Milliarden Litern.24 Auch die Europäische Kommission kommt zu dem Schluss, dass rund 50 Prozent des Kraftstoffverbrauchs durch Verkehrsstörungen und ungünstige Routenplanung verursacht werden.

Verkehr – grösste Herausforderungen

Abbildung 7-2: Verkehr – grösste Herausforderungen

Und welche Herausforderungen sieht die Branche selbst? Knapp jeder dritte ICT-Entscheider aus dem Bereich Automobil und Verkehr (30%) nennt die ökologischen Implikationen des Verkehrs als wichtigste Herausforderung der nächsten Jahre – damit ist beispielsweise die Entwicklung umweltfreundlicher Transportmittel oder die Förderung einer benzinsparenden Fahrweise gemeint. Ebenfalls wichtig: die Sicherheitsaspekte des Verkehrs. Hiermit sind Entwicklungen angesprochen, die Unfälle vermeiden oder wenigstens Unfallschäden reduzieren können. 19 Prozent der ICT-Entscheider aus der Branche Automobil und Verkehr nennen diese Sicherheitsthemen als wichtigste Herausforderung. Genauso wichtig: die Vermeidung von Überlastung (19% Nennungen als wichtigste Herausforderung). Aber auch die Finanzierung der Infrastruktur (17% Nennungen) und der Erhalt und Ausbau der Infrastruktur sind wichtige Branchenthemen (15%). Zu all diesen Themen kann ICT aus Sicht der Entscheider einen wertvollen Beitrag leisten – in Bezug auf die Vermeidung der oben beschriebenen Überlastung oder die Lösung der Herausforderungen im Bereich Sicherheit schreibt beispielsweise jeder zweite Entscheider der ICT sehr große oder große Bedeutung zu (siehe Abbildung 7-2).

Verkehr – Interesse an neuen ICT -Lösungen

Abbildung 7-3: Verkehr – Interesse an neuen ICT -Lösungen

Im Detail fänden zwei von drei ICT-Entscheidern Sensoren interessant, die bei einem Unfall automatisch einen Notruf auslösen. Noch größer ist das Interesse an solchen Sensoren bei den Konsumenten: 78 Prozent der befragten Konsumenten fänden Gefallen an derartigen Sicherheitssystemen im Auto. Auch intelligente Navigationssysteme, die z.B. aktuelle Staumeldungen und Daten umliegender Fahrzeuge mit erfassen, oder Systeme zur automatischen Distanzregelung zwischen Fahrzeugen stoßen auf sehr großes Interesse, und zwar gleichermaßen bei Konsumenten wie bei ICT-Entscheidern. Interessant finden Konsumenten und ICT-Entscheider auch Kommunikations- und Unterhaltungslösungen rund um das Auto: 54 Prozent der ICT-Entscheider und 41 Prozent der Konsumenten interessieren sich für E-Mail Zugang im Auto, 51 bzw. 46 Prozent für internetbasierte Entertainment-Services im Auto, zum Beispiel zur Unterhaltung von mitreisenden Passagieren (siehe Abbildung 7-3).

Verkehr – Weitere Entwicklungen

Abbildung 7-4: Verkehr – Weitere Entwicklungen

Solche internetbasierten Entertainment-Services werden auch nach Ansicht der zusätzlich telefonisch befragten ICT-Entscheider aus dem Sektor „Automotive“ schon sehr bald zum Standard in den Fahrzeugen gehören: 64 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass solche Lösungen künftig Standard/Mainstream sein werden, und zwar möglicherweise bereits innerhalb der nächsten fünf Jahre (siehe Abbildung 7-4).

23 Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes Deutschland

24 Berner, Fritz / Benz, Thomas (2001)