LIFE 2 - Bedeutung der ICT im Unternehmen

Die Frage nach dem Stellenwert der ICT für Wirtschaft und Gesellschaft hat aber nicht nur volkswirtschaftliche, sondern auch betriebswirtschaftliche Facetten. Schließlich spielen Informations- und Kommunikationstechnologien nicht nur für ganze Wirtschaftssektoren eine wichtige Rolle, sondern sind auch innerhalb des einzelnen Unternehmens von Bedeutung. Im Rahmen der Studie LIFE 2 wurden die insgesamt 1.559 ICT-Entscheider daher auch zur strategischen Relevanz der ICT in ihrem Unternehmen befragt.

Strategische Relevanz der ICT heute und in 5 Jahren

Abbildung 3-4: Strategische Relevanz der ICT heute und in 5 Jahren

Strategische Relevanz
Insgesamt 79 Prozent der Entscheider beurteilen die strategische Bedeutung der ICT für den Erfolg ihres jeweiligen Unternehmens als sehr hoch oder hoch, in Großbritannien sind es 87 Prozent, in Deutschland 77 Prozent, also etwas mehr als drei Viertel der Befragten. Für die Zukunft erwarten die ICT-Entscheider dabei sogar noch eine weitere Bedeutungszunahme der ICT: International gehen rund 84 Prozent der befragten Entscheider davon aus, dass die strategische Relevanz der ICT in ihrem Unternehmen in den nächsten fünf Jahren (stark) zunehmen wird (siehe Abbildung 3-4).

Eine besonders hohe Bedeutung der ICT wird künftig in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Logistik und Kundenservice gesehen. Insgesamt vermuten 70 Prozent der ICT-Entscheider künftig eine (sehr) große Bedeutung der ICT in Forschung und Entwicklung. Jeweils 66 Prozent der Entscheider gehen von (sehr) hoher Bedeutung der ICT in den Unternehmensfunktionen Logistik und Kundenservice aus.

Vor diesem Hintergrund stark zunehmender Bedeutung verwundert es dann auch nicht, dass sechs von zehn ICT-Entscheidern (58%) für die Zukunft mit einer (starken) Erhöhung des IT-Budgets in ihrem Unternehmen rechnen. Weitere drei von zehn (33%) erwarten immerhin unveränderte Budgets. Von einer Budgetkürzung in der Zukunft gehen hingegen nur 9 Prozent der ICT-Entscheider aus.

ICT und Wettbewerbsfähigkeit

Abbildung 3-5: ICT und Wettbewerbsfähigkeit

Hohe Bedeutung für die Unternehmensentwicklung
Den größten Einfluss der ICT auf die künftige Wettbewerbsfähigkeit ihres Unternehmens haben nach Ansicht der ICT-Entscheider vor allem die Realisierung von Performancesteigerungen (72%) und die Realisierung von Kosteneinsparungen (70%) durch ICT sowie der Bereich Wissensmanagement (69%) (siehe Abbildung 3-5). Die Teilnehmer des Think Tanks weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass sich die Diskussion um die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen natürlich nicht alleine auf die verschiedenen Möglichkeiten der Kostensenkung beschränken darf – genauso wenig, wie die ICT nur als Mittel zur Realisierung von Kosteneinsparungen begriffen werden sollte. Denn im Zentrum der Wettbewerbsfähigkeit steht auch und vor allem die Innovationskraft der Unternehmen. Und die wiederum ergibt sich nicht zuletzt häufig durch den Einsatz von ICT.

„ICT wird oft lediglich als Mittel zur Kostensenkung begriffen, dabei sind es gerade die sich aus ICT ergebenden Innovationspotenziale, die die Wettbewerbsfähigkeit von morgen bestimmen.“
Professor Roman Beck, Goethe-Universität Frankfurt

Einfluss ICT auf Innovation und Wettbewerbsfähigkeit

Abbildung 3-6: Einfluss ICT auf Innovation und Wettbewerbsfähigkeit

Dieser Ansicht sind offensichtlich auch die ICT-Entscheider der großen Unternehmen. Insgesamt gehen bereits mehr als zwei Drittel der Befragten (67%) davon aus, dass die ICT über den Hebel „Innovation“ hohen Einfluss auf die künftige Wettbewerbsfähigkeit ihres Unternehmens haben wird. In den USA sind hiervon sogar 76 Prozent der Befragten überzeugt (siehe Abbildung 3-6). Und auch in Spanien und Frankreich ist das Innovationspotenzial der ICT und der große Einfluss dieses Bereiches auf die Wettbewerbsfähigkeit erkannt: Innovation wird hier als einer der Top 3 Bereiche mit (sehr) hohem Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit genannt. Deutsche ICT-Entscheider hingegen sehen den größten Effekt der ICT auf die Wettbewerbsfähigkeit ihres Unternehmens in den Bereichen Flexibilität, effiziente Prozessgestaltung und Kundenservice.

Wichtigste IT-Trends der nächsten Jahre
Wohin geht die Reise in Sachen ICT? Welche wichtigen Trends und Themen sind absehbar, wenn es um die Veränderung unserer Arbeitswelt durch Informations- und Kommunikationstechnologie geht? Welche Themen werden die Wirtschaft am meisten beeinflussen? Die Experten des Think Tanks sind der Auffassung, dass vor allem Flexibilität, Mobilität und Kooperation unsere Zukunft prägen werden. Christophe Châlons, Chief Analyst der PAC Group, fasst das so zusammen: „Flexibilität, Mobilität und Kooperation sind die großen Veränderungsthemen.“ Die Ergebnisse der Befragung bei den ICT-Entscheidern stützen diese Ansicht. Enterprise Mobility, also die Integration mobiler ICT-Lösungen in das Unternehmen, gehört insgesamt für drei von zehn Entscheidern zu den wichtigsten Zukunftstrends in der IT (30% Nennungen). Besonders hohe Bedeutung hat die Mobilität in Spanien (36%) und Frankreich (31%), aber auch in Deutschland, Großbritannien und den USA wird Mobilität von mehr als jedem vierten Befragten als eines der drei wichtigsten Zukunftsfelder der ICT gesehen.

„Flexibilität, Mobilität und Kooperation sind die großen Veränderungsthemen.“ Christophe Châlons, Chief Analyst der PAC Group

Virtual Collaboration bzw. virtuelle Kooperation nennen insgesamt 23 Prozent der ICT-Entscheider als einen der drei wichtigsten IT-Trends der nächsten Jahre. In Frankreich sind sogar rund 31 Prozent der Befragten dieser Ansicht, in Spanien rund 28 Prozent. In Großbritannien ist das Thema für jeden fünften ICT-Entscheider eines der Topthemen (20%), in den USA für knapp jeden Vierten (24%). Aus dem Rahmen fallen hier lediglich die Entscheider in Deutschland: Nur 13 Prozent von ihnen erachten die virtuelle Kooperation als besonders wichtig. Ebenfalls dem übergeordneten Stichwort „Kooperation“ zuzurechnen ist das Thema „Open Innovation“. Auch Open Innovation ist, genau wie die virtuelle Kooperation, vor allem von den Befragten in Frankreich und Spanien als Trend erkannt. Jeder vierte ICT-Entscheider in Frankreich (23%) und Spanien (25%) hält Open Innovation für eines der Topthemen der kommenden Jahre. In Großbritannien, Deutschland und den USA hingegen halten jeweils nur 14 Prozent bzw. 15 Prozent das Thema für einen wichtigen Zukunftstrend.

In diesen Ländern liegt der Fokus offensichtlich eher auf der Erhöhung der Flexibilität, beispielsweise über flexibles Sourcing oder die Nutzung von Cloud Services. Jeder vierte Befragte in den USA (25%) und immerhin jeder fünfte der Befragten in Deutschland und Großbritannien (je 22%) hält Cloud Computing für einen der wichtigsten drei IT-Trends der nächsten Jahre. Flexibles Sourcing sehen rund 19 Prozent der ICT-Entscheider in Deutschland und Spanien und 23 Prozent der Entscheider in Großbritannien als Zukunftstrend.

Bedeutung der ICT – Wichtigste IT-Trends

Abbildung 3-7: Bedeutung der ICT – Wichtigste IT-Trends

Daneben gibt es noch einige weitere wichtige Themen für die ICT-Entscheider, sie betreffen (sozusagen als Querschnittsthemen) die ICT im Allgemeinen. Zu diesen „generellen Trends“ zählen die IT-Sicherheit (54% Nennungen), Business Intelligence (31%), Green IT (29%) und Strategic IT-Alignment (15%) (siehe Abbildung 3-7). Vor allem in Deutschland steht das Thema IT-Sicherheit im Fokus der Entscheider: Ganze zwei Drittel der Entscheider in Deutschland (66%) sehen in der IT-Sicherheit eines der drei Topthemen der nächsten Jahre. Aber auch in Großbritannien und den USA sieht immerhin jeder zweite Befragte die IT-Sicherheitals Topthema der Zukunft.

Und auch das Thema Green IT ist von hoher Wichtigkeit für die Befragten: Insgesamt zählt Green IT für 29 Prozent der Befragten zu den wichtigen Zukunftsthemen der nächsten Jahre. In Frankreich und Deutschland steht Green IT mit 35 Prozent bzw.31 Prozent Nennungen sogar an zweiter Stelle der wichtigsten Zukunftsthemen. In den USA ist Green IT mit 32 Prozent Nennungen das drittwichtigste Thema auf der Zukunftsagenda der Entscheider, in Großbritannien steht es auf Platz vier (28%). Weniger wichtig ist Green IT nur den Befragten in Spanien. Mit lediglich 18 Prozent Nennungen nimmt die Green IT hier Rang fünf auf der Liste der wichtigsten IT-Zukunftstrends ein.

Bedeutung auf Ebene des einzelnen Arbeitsplatzes
Auch auf der Mikroebene des einzelnen Arbeitsplatzes hat ICT einen sehr hohen Stellenwert: Insgesamt hat die ICT im beruflichen Alltag für mehr als drei Viertel (77%) aller befragten IT-Anwender entscheidende oder sehr hohe Bedeutung. In Deutschland sind es sogar 81 Prozent. Weiterhin geben 79 Prozent der IT-Anwender an, dass sie im Rahmen ihrer aktuellen Tätigkeit auf Internet und Telekommunikation angewiesen sind.

79% der IT-Anwender sind im Rahmen ihrer aktuellen Tätigkeit auf Internet und Telekommunikation angewiesen.

Die neuen Technologien verändern die Art des Arbeitens, den Arbeitsort und die Kommunikation im beruflichen Umfeld. Beispielsweise lassen sich für jeden Vierten der befragten IT-Anwender (28%) Arbeits- und Privatleben nicht mehr strikt trennen. In Spanien und Großbritannien geben sogar jeweils 30 Prozent der Befragten an, dass eine solche Trennung nicht möglich ist. Insgesamt arbeitet etwa jeder fünfte Befragte (21%) häufig auch von zu Hause aus, fast ebenso viele (19%) arbeiten häufig von unterwegs, d. h. zum Beispiel an Flughäfen oder im Zug. Dabei sind rund 42 Prozent der befragten IT-Nutzer der Meinung, dass ihnen das mobile Arbeiten berufliche Vorteile bringt bzw. brächte – unter den Befragten in Großbritannien ist davon sogar jeder Zweite überzeugt. Für jeden zweiten Anwender (54%) ist es daher entscheidend oder sehr wichtig, notwendige Informationen und Arbeitsprogramme jederzeit und überall verfügbar zu haben, d. h. auf diese Informationen und Programme auch mobil zugreifen zu können. Besonders wichtig ist die mobile Nutzung in Spanien: Hier messen rund 70 Prozent der Befragten der mobilen Nutzung besonders hohe Bedeutung zu.

 54% der Anwender finden es entscheidend oder sehr wichtig, notwendige Informationen und Arbeitsprogramme jederzeit und überall verfügbar zu haben, d. h. auf diese auch mobil zugreifen zu können.