Die breite Datenbasis der Studie erlaubt eine Clusteranalyse für weitere Detailauswertungen. Dabei werden die ICT-Entscheider anhand verschiedener Variablen in drei Gruppen segmentiert. Die für die Clusterung verwendeten Variablen beziehen sich sowohl auf den heutigen Einsatz von ICT im eigenen Unternehmen als auch den erwarteten künftigen Stellenwert der ICT. Im Einzelnen wurde auf folgende Aspekte zurückgegriffen: Zum einen auf den heutigen Einsatz von Cloud Computing, Anwendungen aus dem Bereich virtueller Kollaboration und Mobilitätslösungen im Unternehmen. Zum anderen auf die erwartete künftige Bedeutung dieser drei Technologien im eigenen Unternehmen.
Im Ergebnis lassen sich drei Gruppen von ICT-Entscheidern unterscheiden, die plakativ mit den Etiketten „Vorreiter“, „Aufgeschlossene“ und „Zurückhaltende“ belegt werden können.
Vorreiter zeichnen sich dadurch aus, dass alle drei Technologiefelder, also Mobilitätslösungen, Collaboration und Cloud Computing bereits heute im Unternehmen einen hohen Stellenwert innehaben. Zugleich wird für die Zukunft eine weiter wachsende Bedeutung dieser Technologien erwartet. Die Gruppe der Vorreiter bildet das kleinste der drei Segmente, es umfasst ein Viertel der befragten ICT-Entscheider (25%).
Auch bei den Aufgeschlossenen kommen Mobilitätslösungen und virtuelle Kollaboration heute schon zum Einsatz. Cloud Computing dagegen spielt noch kaum eine Rolle, und auch Green IT hat heute nur begrenzten Stellenwert. Für die Zukunft jedoch rechnen die Aufgeschlossenen mit einem vermehrten Einsatz der entsprechenden Technologien in ihren Unternehmen. Die Aufgeschlossenen bilden das größte der drei identifizierten Segmente: 43 Prozent der befragten ICTEntscheider zählen zu den Aufgeschlossenen.
Die Zurückhaltenden sind das konservativste der drei Segmente. Weder setzen sie in ihren Unternehmen heute in besonderem Maße auf Mobilität, Cloud Computing oder Collaboration, noch rechnen sie für die Zukunft mit einer wachsenden Bedeutung dieser Technologien in ihrem Unternehmen. 32 Prozent, also etwa jeder Dritte der befragten ICT-Entscheider, zählen zu diesem Segment.
Dabei zeigen sich zwischen den verschiedenen Ländern der Studie interessante Unterschiede. In den USA ist beispielsweise das Cluster der Vorreiter überdurchschnittlich groß – 35 Prozent der befragten US-amerikanischen ICT-Entscheider lassen sich diesem Segment zurechnen, also rund 10 Prozent mehr als im Durchschnitt der Länder. Gleichzeitig ist das Segment der Zurückhaltenden mit 24 Prozent besonders klein. In Frankreich stellt sich die Situation gerade umgekehrt dar: Hier finden sich besonders wenig Vorreiter (17%) und mit 43 Prozent besonders viele Zurückhaltende (siehe Abbildung 2-3).
Unterschiede ergeben sich auch im Hinblick auf die grundsätzliche Geschäftsausrichtung der Unternehmen. In Unternehmen aus dem Business-to-Business-Bereich (B2B) ist das Segment der Vorreiter besonders groß: Ein Drittel der ICT-Entscheider aus dem B2B-Bereich ist den Vorreitern zuzurechnen, 45 Prozent zählen zu den Aufgeschlossenen, nur etwa jeder Fünfte ist zurückhaltend (22%). In Unternehmen, deren Geschäftstätigkeit hauptsächlich auf den Business-to-Consumer-Bereich (B2C) ausgerichtet ist, verschiebt sich dieses Verhältnis bereits deutlich in Richtung „Zurückhaltung“. Am wenigsten offen gegenüber dem Einsatz der neuen Technologien sind die gemeinnützigen Organisationen und Vereine. Nur 13 Prozent der ICT-Entscheider aus diesen Organisationen sind den Vorreitern zuzurechnen, ganze 45 Prozent hingegen zählen zum Segment der Zurückhaltenden – dabei könnte vermutlich gerade im Bereich der Non-Profit-Organisationen beispielsweise der gezielte Einsatz von Social Media oder Anwendungen zur virtuellen Kooperation deutliche Kosten- und Effizienzvorteile bringen (siehe Abbildung 2-4).
Kaum Unterschiede hingegen bringt der Blick auf die Soziodemografie der ICT-Entscheider zutage: Das Durchschnittsalter der Vorreiter liegt bei 36 Jahren, Aufgeschlossene sind im Durchschnitt 39 Jahre, Zurückhaltende 38 Jahre alt. Aus dem Alter eines ICTEntscheiders allein lassen sich also keine Rückschlüsse auf seine Einstellung zu ICT-Anwendungen rund um Mobilität, Cloud Computing und virtuelle Kollaboration ableiten.
Auch die Unternehmensgröße gibt kaum Hinweise darauf, ob ein Unternehmen der Gruppe der Vorreiter oder einem anderen Cluster zuzuordnen ist. Generell sind die Antworten der ICT-Entscheider der befragten Unternehmen über Größenvergleiche hinweg relativ homogen, sodass davon auszugehen ist, dass ab einer bestimmten Unternehmensgröße keine qualitativen Unterschiede in der Nutzung von ICT bestehen. Für die Zukunft wäre es interessant, ob diese Homogenität auch bei kleineren Unternehmen zu beobachten ist.
Hingegen besteht ein Zusammenhang zwischen der Einschätzung der heutigen und der künftigen Bedeutung dieser Themen und der Stellung im Unternehmen: Unter den Befragten auf C-Level (also z. B. den CEOs und CIOs) ist der Anteil der Vorreiter mit ganzen 46 Prozent besonders hoch. Fast jeder zweite ICT-Entscheider auf oberstem Führungslevel kann also dem Segment der Vorreiter zugeordnet werden. Jeder Dritte der Befragten auf C-Level ist immerhin aufgeschlossen (32%), und nur 22 Prozent zählen zu den Zurückhaltenden. Damit messen die Entscheider auf C-Level den Technologien, die der Clusterung zugrunde liegen, insgesamt deutlich größere Bedeutung bei als beispielsweise die ICT-Entscheider aus dem mittleren Management (siehe Abbildung 2-5).
Diese Clusteranalyse eröffnet nun verschiedene Möglichkeiten, künftige Entwicklungen einzuschätzen und Potenziale der ICT auszuschöpfen. Unter anderem wird bei der Betrachtung der Cluster Folgendes deutlich: Das Thema virtuelle Kollaboration ist in vielen Unternehmen bereits fest verankert, hier ist sozusagen bereits der „Mainstream“ erreicht. Der Einsatz von Web-Conferencing-Lösungen, Social-Media-Anwendungen oder auch Tools aus dem Bereich der Unified Communications definiert heute keine Vorreiterrolle mehr, die Nutzung dieser Technologien ist auch für das Segment der Aufgeschlossenen bereits Standard.
Hingegen sind noch offene Potenziale in den Bereichen Mobilität und Cloud Computing zu erkennen. In der Nutzung und Bewertung dieser Technologien unterscheiden sich die drei identifizierten Cluster deutlich voneinander: Die Vorreiter nutzen diese Technologien bereits heute, Aufgeschlossene nutzen sie noch nicht umfassend, gehen aber – im Gegensatz zum Cluster der Zurückhaltenden – von einer zunehmenden Bedeutung dieser Technologien in der Zukunft aus. Insofern kommt also dem Segment der Aufgeschlossenen eine ganz wesentliche Bedeutung bei der künftigen Verbreitung dieser Technologien zu.



