Die Studie folgt einem mehrstufigen Aufbau, der quantitative und qualitative Elemente integriert. Auftakt zur Studie bildete ein Think Tank mit ICT-Experten. Renommierte Wissenschaftler und erfahrene Industrieexperten trafen sich in München, um gemeinsam intensiv über die aktuellen Entwicklungen rund um das Thema „Vernetztes Arbeiten in Wirtschaft und Gesellschaft“ zu diskutieren. Ziel der Diskussion war es, wesentliche ICT-Trends der nächsten Jahre zu identifizieren und besondere Entwicklungen in einzelnen Schlüsselbranchen zu vertiefen. Moderiert wurde der Think Tank von einem Team des Marktforschungs- und Strategieberatungsunternehmens zehnvier und dem Institut für Kommunikationsökonomie der Ludwig-Maximilians-Universität unter der Leitung von Professor Dr. Tobias Kretschmer (siehe Abbildung 2-1).
In einem zweiten Schritt ging es darum, die Sichtweisen der Wirtschaft und der Gesellschaft zu den im Think Tank identifizierten Themen empirisch abzubilden. Hierzu wurden – jeweils mit einem individuellen Fragebogen – drei verschiedene Zielgruppen ausführlich befragt:
- ICT-Entscheider aus Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern.2 Zu dieser Zielgruppe zählen Personen, die in ihrem Unternehmen maßgeblich an der Einkaufsentscheidung für Informations- und Kommunikationstechnologie (Computerhardware, Software und Telekommunikation) beteiligt sind oder zumindest ein Mitentscheidungsrecht an solchen Kaufentscheiden haben.
- IT-Anwender aus Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern. In diese Zielgruppe fallen Personen, die im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit regelmäßig Informations- und Kommunikationstechnologien nutzen (im Folgenden auch als „IT-Nutzer“ oder „Beschäftigte“ bezeichnet).
- Konsumenten, repräsentativ für die Online-Bevölkerung des jeweiligen Landes.3
Alle drei Zielgruppen wurden jeweils im internationalen Vergleich befragt. Hierfür wurden fünf Länder ausgewählt: Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien repräsentieren typische europäische Märkte, die zusammen mehr als 50 Prozent des europäischen Bruttoinlandsproduktes ausmachen. Die Befragung in den USA erlaubt zusätzlich den Blick über den Atlantik. Insgesamt nahmen an den Befragungen 1.559 ICT-Entscheider teil, 1.009 IT-Anwender und 1.336 Konsumenten.
1.559 ICT-Entscheider, die in ihrem Unternehmen maßgeblich an der Einkaufsentscheidung für Informations- und Kommunikationstechnologie beteiligt sind oder ein Mitentscheidungsrecht haben, wurden im Rahmen der Studie befragt.
Alle Befragungen wurden online durchgeführt. Die einzelnen Länderstichproben sind groß genug, um Vergleiche zwischen den Ländern zuzulassen und so Unterschiede in der Nutzung der ICT in der Arbeitswelt der verschiedenen Länder herauszuarbeiten (siehe Abbildung 2-2).
Die einzelnen Studienmodule fangen verschiedene Perspektiven des vernetzten Arbeitens in Wirtschaft und Gesellschaft ein. Der Think Tank mit seinem disziplinübergreifenden Teilnehmerkreis aus Wissenschaft und Wirtschaft lieferte zunächst wichtige Erkenntnisse über die Bedeutung der Informations- und Kommunikationstechnologien in einem gesamtwirtschaftlichen Kontext.
Bei der Befragung der ICT-Entscheider wiederum ging es insbesondere darum, heutige und künftige Bedeutung der ICT aus einer unternehmens- bzw. branchenbezogenen Perspektive zu evaluieren. Zu diesem Zweck wurden die ICT-Entscheider jeweils nach der Bedeutung verschiedener Aspekte der ICT in ihrem Unternehmen heute sowie nach der erwarteten Bedeutung in fünf Jahren gefragt. Im Zentrum standen dabei Themen, die sich im Think Tank und im Rahmen umfassender Sekundäranalysen als besonders bedeutsam herauskristallisiert hatten. Untersucht wurden die Themenkreise Kooperation, Flexibilität, Mobilität und Business Evolution, d. h. Zukunftsfelder und -branchen, die durch ICT besonders starke Veränderungen erfahren. Ebenfalls nachgegangen wurde der Bedeutung von Green IT sowie verschiedenen Facetten des Themas ICT-Sicherheit.
Die Befragung der IT-Anwender war auf die tatsächliche Nutzung und die wahrgenommene Nützlichkeit verschiedener ICT-Lösungen im Arbeitsalltag ausgerichtet. Mit dieser Befragung ist im Rahmen der Studie also die Mikro-Ebene des einzelnen Arbeitsplatzes abgedeckt. Inhaltlich ging es auch hier um die Themen Kooperation, Flexibilität, Mobilität sowie um Green IT und Sicherheitsaspekte der ICT. Ziel der Befragung der Konsumenten schließlich war es, Potenziale für den künftigen Einsatz neuer ICT-Lösungen aufzudecken und Interesse und Nutzungsbereitschaft der Konsumenten für einzelne Services zu eruieren. Die heutige Nutzung und die Einsatzbereiche der ICT in den Unternehmen lassen sich somit mit der Nutzungsbereitschaft der Konsumenten vergleichen.
In der Zusammenführung der verschiedenen Perspektiven ergibt sich damit ein umfassendes Bild über Status quo und Entwicklung des vernetzten Arbeitens und über die Bedeutung der ICT für Wirtschaft und Gesellschaft. Eine Schlüsselstellung für die künftige Entwicklung des ICT-Sektors nehmen die Anwenderbranchen ein. Auf diesen Anwenderbranchen liegt ein besonderes Augenmerk der Studie. Hierzu zählen das Gesundheitswesen, die öffentliche Verwaltung und der Bildungssektor. Aber auch die Automobilbranche ist ein Sektor, der sich durch hohen ICT-Einsatz auszeichnet. Exemplarisch für die Anwenderbranchen erfahren die genannten vier Bereiche im Rahmen der Studie eine weitere Vertiefung.
Um einzelne Aspekte dieser vier Wirtschaftsbereiche vertiefend zu betrachten, wurden in einem weiteren Schritt insgesamt 101 ausführliche telefonische Interviews mit ICT-Entscheidern aus deutschen Unternehmen dieser Branchen durchgeführt. An den Interviews nahmen jeweils 25 Entscheider aus der Automobilbranche, dem Gesundheitswesen und der öffentlichen Verwaltung sowie 26 Entscheider aus dem Bildungssektor teil
In den Interviews wurden zunächst in komprimierter Form erneut die Eckdaten zur Bedeutung von ICT in den Bereichen Flexibilisierung, Kooperation und Mobilität abgefragt, um die Erstergebnisse zu validieren. Im Anschluss daran wurde die branchenspezifische Bedeutung von ICT heute und in Zukunft thematisiert. In der Automobilbranche wurde weiter nach dem potenziellen Beitrag der ICT zur Bewältigung der größten Herausforderungen der Branche gefragt. Darüber hinaus wurde auch das Potenzial von ICT und Internet für neue Service-, Unterhaltungs- und Sicherheitsangebote in Automobilen diskutiert. Im Gesundheitswesen wurde nach der Rolle von ICT für wichtige Themen wie Kosteneinsparungen, Notfallmedizin und Versorgung älterer und chronisch kranker Patienten gefragt. Weitere Fragen zielten auf eine Einschätzung der Vor- und Nachteile einer elektronischen Gesundheitskarte. Im öffentlichen Sektor stand das Potenzial der ICT für Effizienzsteigerungen, die Vernetzung von Behörden, elektronische Bürgerdienste, E-Participation etc. im Fokus. Im Bildungswesen hat insbesondere die Rolle von E-Learning in verschiedenen Sektoren des Bildungssystems interessiert, aber auch der Beitrag der ICT zur Sicherstellung von Finanzierung und Qualität der Bildung sowie zur Erhöhung der Chancengleichheit und Vergleichbarkeit im Bildungssystem.
2 Um eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse zwischen den Ländern zu gewährleisten, wurden einheitlich Vertreter von Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern befragt.
3 Die Konsumentenbefragung wurde so gestaltet, dass die Ergebnisse repräsentativ für die Internetbevölkerung des jeweiligen Landes sind. Alle in diesem Bericht in Zusammenhang mit der Konsumentenbefragung genannten Zahlen beziehen sich auf die Internetbevölkerung der jeweiligen Länder und die folgenden Altersgruppen: Deutschland 18 bis 64 Jahre, Frankreich 15+ Jahre, Spanien 16 bis 64 Jahre, Großbritannien und USA jeweils 18+ Jahre.


