LIFE 1 - Digitalisierung und Vernetzung in verschiedenen Lebensbereichen

01-foto-Digitalisierung-und-VernetzungDie vorliegende Studie befasst sich damit, welchen Einfluss Digitalisierung und Vernetzung auf unser Leben haben. Aber was meint eigentlich „unser Leben“? Die internationale Forschung zu Lebensqualität und Lebenszufriedenheit zeigt, dass die Lebenswelt des Menschen – trotz vielfältiger Lebensentwürfe und unterschiedlicher Lebensumstände – letztlich in sieben Lebensbereiche aufgefächert werden kann. Zum Leben zählen der Austausch mit Freunden und Familie, Freizeit und Wohlbefinden, Arbeiten und Lernen, materielle und finanzielle Aspekte, Gesundheit, Gesellschaft und Gemeinschaftsleben sowie das Thema Sicherheit mit all seinen Facetten.5 Die Studienergebnisse zeigen, dass Digitalisierung und Vernetzung schon heute in vielen dieser Lebensbereiche alltäglich sind. Gleichzeitig machen die Ergebnisse deutlich, dass sich diese Trends in den kommenden Jahren noch weiter fortsetzen werden.

So vernetzt leben wir heute

Mobiltelefone werden immer intensiver als Surfplattformen genutzt, Neuwagen sind mit Web-Zugang ausgestattet. Sportler können – dank Sensoren in ihren Laufschuhen – Laufgeschwindigkeit, Entfernung oder Kalorienverbrauch direkt an eine Onlineplattform senden und so ihre Trainingsbilanz analysieren. Oder sie können Freunde zu Wettbewerben herausfordern und Laufpartner in ihrer Nähe finden. Gleichzeitig sprechen einige Trendforscher aber schon wieder vom neuen Reiz der Unerreichbarkeit. Wie vernetzt leben wir also heute wirklich?

Digitalisierung und Vernetzung heute

Abbildung 19: Digitalisierung und Vernetzung heute

In der Studie wurden die Konsumenten gefragt, welche Rolle Digitalisierung und Vernetzung heute für sie persönlich in den verschiedenen Lebensbereichen spielen. Dabei zeigt sich, dass Digitalisierung und Vernetzung für die Konsumenten bereits heute in vielen Lebensbereichen alltäglich sind (siehe Abbildung 19). In Deutschland sind die Konsumenten besonders im Bereich Familie und Freunde vernetzt: Für 57 Prozent der deutschen Onliner sind Digitalisierung und Vernetzung unverzichtbar oder von sehr hoher Bedeutung, um mit Freunden und Familie Kontakt zu halten – sei es via E-Mail oder durch das Teilen von Fotos im Internet. In der Vergleichsgruppe der Digitalen Avantgarde liegt der Wert sogar bei 88 Prozent. Bereits alltäglich sind Digitalisierung und Vernetzung auch in den Bereichen Materielles und Finanzielles sowie Arbeiten und Lernen: Für 48 Prozent der deutschen Onliner sind etwa Online-Shopping, Online-Auktionen und –Banking nicht mehr wegzudenken, bei den Avantgardisten ist die Vernetzung sogar fast doppelt so hoch (81%). Etwas mehr als 79 Prozent der Digitalen Avantgarde bauen auf das Arbeiten von zu Hause aus, auf vernetztes Arbeiten mit dezentralen Teams oder E-Learning (Wert für alle befragten Deutschen: 44%). Mit 79 Prozent fast ebenso bedeutsam ist für die Avantgardisten auch die Vernetzung im Lebensbereich Freizeit und Wohlbefinden. Von hoher Bedeutung sind Digitalisierung und Vernetzung für die deutschen Onliner aber auch in puncto Sicherheit. Zu denken ist hier an die private Sicherheit (z. B. durch die Möglichkeit, in Notfällen mit dem Mobiltelefon Hilfe zu holen), aber auch an die Sicherheit von persönlichem Eigentum oder Daten (z. B. in Gestalt eines sicheren Online-Zahlungsverkehrs).

Digitalisierung und Vernetzung heute, Bereich Familie und Freunde, Ländervergleich

Abbildung 20: Digitalisierung und Vernetzung heute, Bereich Familie und Freunde, Ländervergleich

Wie steht Deutschland mit diesen Ergebnissen im internationalen Vergleich dar? Ein Blick auf die weiteren untersuchten Länder zeigt, dass Digitalisierung und Vernetzung hier teilweise schon eine größere Rolle spielen als in Deutschland. So sehen etwa in Frankreich heute schon 69 Prozent der Onliner Digitalisierung und Vernetzung als unverzichtbar oder sehr bedeutsam an, um mit Freunden und Familie Kontakt zu halten, in den USA sind es 66 Prozent (siehe Abbildung 20). Und während in Deutschland heute 40 Prozent der befragten Konsumenten Digitalisierung und Vernetzung als sehr wichtig befinden, wenn es um ihre Freizeit und ihr Wohlbefinden geht, sind es in Südkorea schon 58 Prozent. Der Ländervergleich und die hohen Zustimmungswerte in der Vergleichsgruppe der Digitalen Avantgarde lassen insofern vermuten, dass Digitalisierung und Vernetzung in Deutschland künftig weiter an Stellenwert gewinnen werden.

Zunahme Digitalisierung und Vernetzung - Expertensicht

Abbildung 21: Zunahme Digitalisierung und Vernetzung - Expertensicht

So vernetzt leben wir morgen

Bereits heute sind Digitalisierung und Vernetzung in vielen – wenn auch nicht in allen – Bereichen des Lebens alltäglich. Was aber bringt die Zukunft? Experten und Konsumenten sind sich einig, dass der Grad der Digitalisierung und Vernetzung in allen Lebensbereichen noch weiter zunehmen wird. Die Experten gehen dabei sogar insgesamt von einem größeren Anstieg aus als die Konsumenten. Beide stimmen aber darin überein, dass der stärkste Anstieg in den Bereichen Freizeit und Wohlbefinden, Familie und Freunde, Arbeiten und Lernen sowie Materielles und Finanzielles zu erwarten ist – und der geringste bei Gesundheit und Fitness (siehe Abbildungen 21 und 22).

Zunahme Digitalisierung und Vernetzung - Konsumentensicht

Abbildung 22: Zunahme Digitalisierung und Vernetzung - Konsumentensicht

So gehen 93 Prozent der Experten und 59 Prozent der deutschen Onliner davon aus, dass die Freizeitaktivitäten der Menschen künftig noch stärker von Digitalisierung und Vernetzung geprägt sein werden. Es wird aus der Freizeitgestaltung künftig kaum mehr wegzudenken sein, Musik und Radio über das Internet zu hören, jederzeit auf Videos zuzugreifen oder Wartezeiten durch kleine Spiele auf mobilen Endgeräten zu überbrücken. Noch überzeugter von dieser Entwicklung als die deutschen Konsumenten sind übrigens die südkoreanischen Onliner: Dort rechnen ganze 73 Prozent mit einer weiter zunehmenden Vernetzung im Bereich Freizeit und Wohlbefinden.

In Sachen Familie und Freunde erwarten 90 Prozent der Experten ein weiteres Anwachsen der Vernetzung. Aus Sicht der deutschen Internetbevölkerung wird die Digitalisierung in diesem Lebensbereich sogar am stärksten zulegen – 65 Prozent der Onliner gehen von einer Zunahme aus. Es wird also künftig noch selbstverständlicher werden, persönliche Kontakte im Internet zu pflegen, Fotos online mit Freunden und Familie zu teilen oder sich im Internet mit Gleichgesinnten über bestimmte Themen auszutauschen. Und das gilt keineswegs nur für Deutschland: In Frankreich glauben sogar 74 Prozent und in Südkorea 73 Prozent der Onliner an eine stärkere Vernetzung in Sachen Familie und Freunde.

Selbst beim Arbeiten und Lernen – diesem klassischen Bereich der Vernetzung – sehen 79 Prozent der Experten und 64 Prozent der deutschen Konsumenten einen weiter steigenden Digitalisierungs- und Vernetzungsgrad voraus. Sie sind überzeugt, dass man künftig noch mehr als heute arbeiten können wird, wo und wann man möchte, und dass auch das Lernen mithilfe digitaler Medien und der mobile Zugriff auf Online-Wissenssammlungen und -Enzyklopädien alltäglich werden.

Die Untersuchung der heutigen Vernetzung in den verschiedenen Lebensbereichen hat gezeigt, dass Online-Shopping, Online-Auktionen oder –Banking bereits heute sehr populär sind. Gleichwohl gehen Experten und Konsumenten unisono auch in materiellen und finanziellen Dingen von einem weiter steigenden Digitalisierungs- und Vernetzungsgrad aus: 79 Prozent der Experten und 62 Prozent der deutschen Internetbevölkerung sind der Meinung, dass Digitalisierung und Vernetzung im Lebensbereich Materielles und Finanzielles an Bedeutung zunehmen werden.

Unter Zukunftsgesichtspunkten interessant ist auch ein genauerer Blick auf die unterschiedlichen Konsumentengruppen in Deutschland. Die Digitale Avantgarde beispielsweise nimmt, obwohl sie bereits heute stark vernetzt lebt, in allen Lebensbereichen eine weitere Zunahme von Digitalisierung und Vernetzung an. Dies gilt auch für den ansonsten vergleichsweise zurückhaltend beurteilten Bereich Gesundheit und Fitness.

5 Die genannte Systematik der sieben Lebensbereiche geht auf das Forschungsprogramm des australischen Lebensqualitätsforschers Robert A. Cummins zurück. Die Lebensbereiche wurden in einer umfassenden Metastudie und unter Berücksichtigung von 137 Einzelaspekten identifiziert.